Mit der Frankfurter Rundschau im Günthersburgpark

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Im Goggomobil das Leben entschleunigen
Von VALERIE PFITZNER

50 Stundenkilometer sind das Limit für Bianca Schäbs knallrotes Goggomobil.

Foto: peter-juelich.com

Bianca Schäb sucht mit ihrem roten Goggomobil nach Entschleunigung im Leben. Die Bornheimerin befindet sich auf einer Reise, auf der alles etwas langsamer von Statten geht.

Lautes Motorengeräusch, leuchtend roter Lack – Bianca Schäb und ihr „Goggomobil“ kündigen sich schon vom Weitem an. Die zwei sind auf Reise, fast die Hälfte haben sie schon hinter sich. Doch der Weg ist ihr Ziel – und das heißt Entschleunigung des Alltags. „Warum waren die ersten 18 Jahre meines Lebens so lang und die letzten zwölf so kurz – diese Frage habe ich mir gestellt“, sagt Bianca Schäb, die sich selbst am liebsten „Bibi“ nennt. „Ich wollte etwas dagegen tun, also habe ich mich entschlossen auf eine Reise zu gehen und herauszufinden, wie ich die Zeit entschleunigen kann, damit mir mein Leben länger vorkommt.“

Dass ihr Goggomobil ihr Gefährte sein wird, sei der Bornheimerin von Anfang an klar gewesen: „Wenn ich im Goggo sitze, habe ich alle Zeit der Welt.“ Der „Goggo“ wurde 1969 gebaut, Kopfstützen, Anschnallgurte oder Tankanzeige gibt es nicht. Für ihre Reise hat Schäb einen museumsreifen Dethleffs-Wohnwagen dabei. „Schneller als 50 Stundenkilometer kann ich nicht fahren“, sagt die selbstständige Art-Direktorin. „Und das tut richtig gut.“

Viel Gepäck hat sie nicht: „Der Goggo hat einen Werkzeugkoffer und ich eine Tüte mit Klamotten.“ Dass sie viel mehr nicht braucht, habe sie auf ihrer Reise schon gelernt: „Ich kann auch ohne Schaumfestiger glücklich sein“, sagt Schäb. Die Reise begann am 5. Juli in Dingolfing, bei einem Treffen der „Goggo-Fahrer-Gemeinschaft“. Seitdem fährt sie jeden Tag ein kurzes Stück: „Ich kann höchstens 50 Kilometer am Tag fahren, sonst wird der Motor zu heiß.“

Leben deutlich entschleunigt
Auf ihren Stationen trifft Bibi sich mit Menschen, die ihr bei der „Entschleunigung“ helfen wollen und besucht Orte, an denen alles etwas langsamer geht. Als letztes war sie in der „Slow City“ Deidesheim, in München hat sie bei Psychotherapeutin Eva Achtsamkeitsübungen gelernt. Die halfen ihr besonders bei ihrem täglichen Ritual: „Jeden Tag gibt es ‚Bibis Pause‘. Das bedeutet: 30 Minuten nichts zu tun. Nichts lesen, nichts essen, keine Ablenkung.“ Wie schwer das sein kann, lernte sie im Allgäu: „Da hat mich ein Mann angesprochen, mit dem ich spontan vor einer Tankstelle meditiert habe. Anstatt abzuschalten habe sie nämlich nur eines gedacht: „Eigentlich merkt’s ja keiner, wenn man schummelt.“

Ein Schweigekloster, eine Burn-Out-Klinik, „Bibi“ und ihr Goggo haben noch einiges vor. Auf einem Bauernhof verbringt sie ihre Nächte. „Einmal habe ich fast einen Herzinfarkt bekommen, als ich die Rolläden hoch gemacht hab und mich ein Alpaka angeschaut hat“, erzählt sie.

Schon jetzt sei ihr Leben auf Reise deutlich entschleunigt. Trotzdem freue sie sich auf die Heimkehr: „So schön es an vielen Orten ist, nirgends fühle ich mich so wohl wie in Bornheim.“ Sie freue sich schon auf ein erneutes Picknick im Günthersburgpark. Bis es so weit ist, werden allerdings ein paar Kilometer zurückgelegt. Immer im Goggo dabei: Ein kleiner Handventilator . „Der ist besser als jede Klimaanlage“, sagt Schäb lachend.

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